Die Musik von Brave Story

Das musikalische Thema: Aqua Timez

„Ketsui no asa ni“ (Am Morgen der Entscheidung)

Die junge, fünfköpfige japanische Band macht sehr „farbige“ Rockmusik. Ihre von Pop, Hip-Hop und Reggae beeinflusste Musik hat eine große Hörerschaft in Japan und sie sind mittlerweile auch über Japan hinaus bekannt. Seit ihrem ersten Album im Jahr 2005 haben Aqua Timez regelmäßig auf den ersten Plätzen der japanischen Charts rangiert. Als Beweis für ihr Talent durfte die Band zwei der größten japanischen Filmproduktionen der beiden letzten Jahre mit ihrer Musik begleiten: Brave Story und der Film Bleach – Memories of Nobody.


Die Komponisten: Juno Reactor

Die Band wurde 1990 von Ben Watkins und Stephen Holweck gegründet und brachte ihre erste Single „Laughing Gas“ 1993 heraus. Die Single wurde gefolgt vom Album Transmissions, das die Band in der internationalen Szene bekannt machte. Danach drückten die englischen Musiker der Elektro-Szene mit 7 Alben und 13 Singles ihren Stempel auf, von denen ein großer Teil auch in Originalsoundtracks von Filmen wie Romeo und Julia, Matrix Reloaded oder Irgendwann in Mexiko verwendet wurden. Ihre Einflüsse aus Trance, Jungle und Ethnosound machen die Musik von Juno Reactor dynamisch und fesselnd, was von modernen Regisseuren sehr geschätzt wird.

Wie ist es dazu gekommen, dass Sie die Filmmusik zu diesem Projekt machten?
Die Produktion wurde in Thailand gestartet. Wie sehr oft bei einem Filmsoundtrack haben wir jeder Szene ein bereits existierendes Thema zugeordnet, hauptsächlich aus dem Genre der Klassik. In den Hollywoodproduktionen der letzten Zeit wirkt die Musik immer sehr ähnlich, weil dieselben Ideen immer und immer wieder ausgeschlachtet werden. Solche Filmmusik hat nichts Bewegendes und Aufregendes mehr. Wir wollten uns nicht in dieser Sackgasse wiederfinden und haben die Sache darum auf unsere eigene Art erledigt.

Was waren die Vorgaben des Regisseurs und der Produktion, die Musik betreffend?
Als ich ganz am Anfang an einer Produktionssitzung teilnahm und wir auf das Thema des Gleichgewichts zwischen klassischer und elektronischer Musik zu sprechen kamen, bat man mich, fast ausschließlich ein klassisches Orchester einzusetzen. Als ich dann fragte: „Warum verlangen Sie so etwas von jemandem, der bekannt dafür ist, elektronische Musik zu machen?“ antwortete mir der Regisseur, dass er in diesem Film Musik hören wollte, die von Juno Reactor komponiert worden sei, aber von einem klassischen Orchester gespielt werde. Das hat mir das Vertrauen gegeben, dass ich es schaffen würde, diese Aufgabe zu erfüllen. Danach, noch mit der Angst, die mir die Idee, dass ich Musik für ein ganzes Orchester würde komponieren müssen, einjagte, bin ich mit meiner Familie nach Thailand gereist. Dort habe ich meine Zeit verbracht, indem ich über diese Musik nachsann und während vier Monaten, und zwar noch bis zum Tag direkt vor den Orchesteraufnahmen, habe ich dann nicht mehr aufgehört zu komponieren.

Sie haben Musik auf animierte Bewegungen angepasst. Sind Sie bei diesem Prozess auf besondere Schwierigkeiten gestoßen? Und haben Sie dabei auf spezielle Techniken zurückgegriffen?
Bei diesem Film habe ich in keinem einzigen Moment Schwierigkeiten gehabt. Ich konnte es kaum erwarten, wenn ich am Morgen aufwachte: Komponieren! Ich hatte schon in der Vergangenheit anhand eines Storyboards komponieren müssen, darum hat mir dies keine Probleme bereitet.

Was genau an der Komposition für ein Orchester war besonders interessant für Sie?
Musik für ein Orchester zu schreiben ist unglaublich aufregend. Ich hatte mich schon an der Musikproduktion für Matrix beteiligt, aber dieses Projekt war das erste, bei dem der gesamte Soundtrack des Films von einem Orchester gespielt wurde. In meinen Kompositionen wurde ich vor allem von der Musik von Curtis Mayfield und Strauss beeinflusst. Darüber hinaus glaube ich, dass der Soundtrack von Brave Story der erste ist, in dessen Orchester ein echter Buschmann sitzt. Dank diesem Musiker, Mabi Thobejane, der schon unzählige Male mit Juno Reactor zusammengearbeitet hat, haben wir einen ausgezeichneten Soundtrack kreieren können. Und ich habe die Frische und Gemütlichkeit wiedergefunden, die ich verspürt habe, als ich mit 16 Jahren zum ersten Mal ein Aufnahmestudio betrat.

Warum haben Sie die Slowakei als Aufnahmeort gewählt?
Erst einmal deshalb, weil die slowakischen Orchester vernünftigere Preise haben als die von Los Angeles oder London, aber auch weil man dort Aufnahmematerial, Instrumenten und Musiker erster Güte vorfindet, besonders, wenn man mit dem Orchester von Bratislava zusammenarbeitet.

Sie sind also zwischen vier Ländern hin- und hergereist: Zwischen Japan, den USA, England und der Slowakei, und unter Zurückgreifen aufs Internet. Können Sie uns den Arbeitsprozess genauer beschreiben, und Ihre Eindrücke über diese Vorgehensweise?
Musik in mehreren Ländern gleichzeitig produzieren zu können war eine sehr interessante Erfahrung. Es stimmt, dass ein solches Vorgehen noch einige Jahre zuvor schlichtweg unmöglich gewesen wäre, aber es kann manchmal auch frustrierend sein, wenn man nicht direkt kommunizieren kann. Es ist gut, wenn man physisch anwesend ist bei den Leuten, die sich die Musik anhören, die man komponiert hat, denn so kann man die Wirkung spüren, die sie auf sie hat, nur schon indem man sich die Gesichter der Zuhörer anschaut, und das funktioniert besser, als es Worte übermitteln können.

Gibt es in der Musik, die Sie komponiert haben, Stücke, auf die Sie besonders stolz sind?
Es wäre nur schon eine Ehre für mich, wenn die Zuschauer die Fusion, die sich im Film zwischen einer wunderbaren Geschichte und einer emotional reichhaltigen Musik abspielt, schätzen.